Erster Lehrlingspreis für Österreichs Steinmetz-Nachwuchs
 
Die Bundesinnung der österreichischen Steinmetze ehrte in Zusammenarbeit mit dem Steinzentrum Hallein die Gewinner des Lehrlingspreises 2018. Auf der Salzburger Messe MONUMENTO 2018 wurden die Urkunden feierlich überreicht.
 
Der österreichische Steinmetz-Lehrlingspreis wurde 2018 zum ersten Mal ermittelt. Teilnahmeberechtigt sind alle Steinmetzlehrlinge, Berufs- und Fachschüler sowie Fachschülerinnen in Österreich, die einfache Arbeiten aus Stein konzipieren, umsetzen und wirkungsvoll präsentieren. Ermittelt wird sowohl ein Sieger in der Kategorie Einzelarbeit als auch Gewinner und Gewinnerinnen eines Kollektives. Angehenden Steinmetzen wird auf diese Weise die Möglichkeit geboten, ihre Ideen einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Neben Einzelarbeiten können auch Gruppenarbeiten eingereicht werden. Auslober des Preises ist die Bundesinnung der Steinmetze in Zusammenarbeit mit dem Steinzentrum Hallein.
 
Preis soll Kreativität anregen
Die Größe des Werkes, Bearbeitungstechniken sowie die Verwendung diverser Maschinen sind frei wählbar. Die Einreichung beinhaltet den Entwurf, Fotos der Produktionsschritte und der fertigen Arbeit sowie die Projekterläuterung mit einer Anmerkung zur Motivation. Die Jury achtet bei der Bewertung auf den gesamten Gestaltungsprozess von der Konzeptentwicklung über erste Skizzen, der Materialauswahl, Form- und Detailausbildung bis hin zur Präsentation. Dabei stehen neben der handwerklichen Präzision auch die Materialauswahl und die Formenfindung im Vordergrund. Oft bedarf es nur einfachster Gestaltungsmittel, um eine starke Arbeit umsetzen zu können, erläuterte Juror und Moderator Dr. Arnold Reinthaler bei der Preisverleihung am 11. Januar 2018: „Nur wer für kleine Dinge die nötige Gestaltungssensibilität aufbringt, kann später auch Großes leisten.“
Insgesamt waren zur Premiere des ersten Lehrlingspreises acht Projekte eingereicht worden. Da es sich dabei ausschließlich um Beiträge aus Landesberufschulen und der Halleiner Fachschule handelt, appellierte Dr. Reinthaler an alle Steinmetzbetriebe in Österreich, ihre Lehrlinge zu einer Teilnahme beim nächsten Lehrlingspreis anzuregen. Dazu sollten die Betriebe auch Rahmenbedingungen schaffen, die es den Auszubildenden erlaubt, trotz Praxisbetrieb im Berufsalltag einen gewissen kreativen Freiraum in Anspruch zu nehmen. „Wer dazu während seiner Berufsausbildung Gelegenheit hat, wird von der Arbeit am Stein infiziert und trägt das Handwerk weiter,“ so der in Wien ansässige freischaffende Künstler.
 
Halleiner Fachschülerin gewinnt 1. Preis
Siegerin in der Gruppe der Einzelarbeiten ist Melanie Kien. Die Fachschülerin im ersten Lehrjahr an der Fachschule für Steingestaltung der HTL Hallein. Aus Sicht der Jury ist ihr funktionelles Waschbecken aus dem grauem Marmor Grigio Lumaca ein Zeichen dafür, wie sich mit Gespür für Form und Oberfläche ein ausdrucksstarkes Projekt verwirklichen lässt. In die Waschtischfläche ist ein Ablaufbecken in Ammonitenform eingearbeitet, weitere kreisförmige Vertiefungen dienen zur Ablage von Schmuck, Seife und anderen Utensilien.
Das in Eigeninitiative entwickelte Waschbecken spiegelt ihre Vorliebe für Fossilien und deren Formensprache, schilderte Melanie Kien bei der Urkundenübergabe. Auf diese Weise entstand die Idee des Beckens in Ammonitenform. Die Spiralform bildet zugleich ein Gegengewicht zur kantigen Außenkontur des Wachtischs. Für die Zukunft reizen Melanie Kien besonders die gestalterischen Aspekte im Umgang mit Stein. Den kreativen Umgang damit möchte die Gewinnerin in den kommenden Jahren weiter ausbauen.
Eine Anerkennung für ihre Einzelarbeit eines blattförmigen Waschbeckens erhielt Adela Alic, ebenfalls eine Fachschülerin der HTL Hallein.
 
Siegreiche Gruppenarbeit aus Wals
Der 1. Preis für eine Gruppenarbeit ging an Schüler der zweiten Steinmetzklasse der Landesberufschule Wals, betreut durch Berufschullehrer und Steinmetzmeister Bernhard Hasenöhrl. Das Projekt „Quelle der Weisheit“ ist ein aus zwölf Teilen zusammengefügter Trinkwasserspender. Jeder Schüler bearbeitete ein individuell geformtes Steinstück, das sich am Ende in ein kubisches Ganzes einfügt. Die Vielfalt der Materialien und Oberflächenbearbeitungen begründet aus Sicht der Jury den Reiz der Arbeit, die eine Einheit bildet, zugleich aber den unterschiedlichen Arbeitsweisen und Charakteren der Lehrlinge Raum lässt, erläuterte Dr. Reinthaler bei der Vorstellung. Zugleich sieht er den schönen Erfolg der Gruppenarbeit als Bestätigung, wie wertvoll die gemeinschaftliche Arbeit im Kollektiv für den Erfahrungsaustausch jedes Einzelnen mit Berufskollegen im Steinmetzhandwerk sein kann. Entworfen wurde die mehrteilige Skulptur vom Walser Berufsschüler Josef Oblasser.
Eine Anerkennung erhielt das Projekt „Meilenstein“, das von vier Schülern der dritten Klasse der LBS Wals ausgeführt wurde. Nach einem Entwurf von Thomas Lorber-Ocańa entstand auf einer Säule aus Untersberger Marmor eine dreidimensionale Europakarte mit dem stilisierten Jakobsweg von Gois nach Santiago de Compostela. Auch dieses Projekt wurde von Bernhard Hasenöhrl betreut.
Eine weitere Anerkennung ging an die Landesberufsschule Graz und Fachlehrer Johann Klammler für die Gruppenarbeit „Brunnen am Grazer Friedhof“.

 
Über die Bundesinnung der Steinmetze
Die Bundesinnung der Steinmetze ist die Spitzenorganisation aller österreichischen Steinmetzmeister unter der Leitung von Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker aus Traiskirchen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Kommunikation nach innen und außen sowie die Unterstützung der rund 700 Mitgliedsbetriebe in den Kernbereichen Friedhofskultur, Bau und Innenausbau sowie der Denkmalpflege. Weitere Schwerpunkte sind die berufliche Weiterbildung, die Arbeitssicherheit und die Förderung von qualifizierten Nachwuchs-Fachkräften.
 
Kontakt
Steinzentrum Hallein
Schaumburgergasse 20/6
A-1040 Wien
Fon (01) 505 69 60
Fax (01) 505 69 60-240
baunebengewerbe@bigr4.at
http://wko.at/steinmetzmeister
 
 
 
Bildunterschriften
 
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Strahlende Siegerin beim ersten Lehrlingspreis für Einzelarbeiten: Die Halleiner Fachschülerin Melani Kien. Rechts Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker, links Steinmetzmeister und Juror Ing. Norbert Kienesberger.
(Foto: Wilfried Hummel, Ynet.at)
 
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Siegerprojekt beim Lehrlingspreis 2018: Waschbecken aus hellgrauem Marmor mit Becken in Ammonitenform von Melani Kien.
(Foto: Melanie Kien)
 
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Erster Preis in der Kategorie Gruppenarbeit: Zwölftteiliger Wasserspender mit dem Titel „Quelle der Weisheit“ von Schülern der Landesberufsschule Wals.
(Foto: Bernhard Hasenöhrl)
 
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Eine Anerkennung für die von ihm entworfene Gruppenarbeit „Meilenstein“ erhielt Thomas Lorber-Ocańa von der LBS Wals. Betreuer war Fachlehrer Bernhard Hasenöhrl (2.v.l.). Links Juror und Steinmetzmeister Ing. Norbert Kienesberger, rechts Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker.
(Foto: Wilfried Hummel, Ynet.at)
 
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Anerkennung für Berufschullehrer Johann Klammler von der LBS Graz für die von ihm betreute Gruppenarbeit „Brunnen am Grazer Friedhof“. Links Steinmetzmeister und Juror Ing. Norbert Kienesberger.
(Foto: Wilfried Hummel, Ynet.at)
 
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Johann Klammler mit der Urkunde zur Anerkennung für die Gruppenarbeit der LBS Graz. Rechts Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker.
(Foto: Wilfried Hummel, Ynet.at)