Lehrfahrt nach Florenz, Pisa und Carrara
Stein, Geschichte und Handwerk vor Ort erleben – Lehrfahrt vom 22.–28. Februar 2026
Schülerinnen und Schüler der HTL Hallein, Ausbildungsschwerpunkt Naturstein, Raum und Design sowie die Bauhandwerker Steinmetze unternahmen gemeinsam mit zwei Lehrpersonen eine fachliche Lehrfahrt nach Florenz, Pisa und Carrara. Ziel der Reise war es, bedeutende Bauwerke der Renaissance sowie die Herkunft eines der wichtigsten Werkstoffe der europäischen Bau- und Kunstgeschichte – den Carrara-Marmor – direkt vor Ort zu erleben.
Die Anreise erfolgte mit dem Nachtzug von Salzburg nach Florenz. Bereits am ersten Tag stand der Dombezirk von Florenz auf dem Programm. Mit dem Brunelleschi-Pass konnten mehrere Bauwerke des Domkomplexes besucht werden, darunter der Dom Santa Maria del Fiore, das Baptisterium sowie das Museum der Dombauhütte. Ein besonderer Höhepunkt war der Aufstieg auf die berühmte Kuppel von Filippo Brunelleschi.
Am Nachmittag folgte der Besuch der Medici-Kapellen. Die reich gestalteten Innenräume zeigen eindrucksvoll den Einsatz von farbigen Natursteinen und aufwendig gearbeiteten Steinintarsien. Um diese Technik besser zu verstehen, besuchte die Gruppe anschließend auch das Museo dell’Opificio delle Pietre Dure. Dort konnten die Schülerinnen und Schüler nachvollziehen, wie sogenannte Pietra‑Dura‑Arbeiten hergestellt werden – eine aufwendige Intarsientechnik aus verschiedenfarbigen Natursteinen. Der Besuch des Museums half dabei, die kunstvollen Steinoberflächen der Medici-Kapellen im Nachhinein deutlich besser zu verstehen.
Am darauffolgenden Tag besuchten die Schülerinnen und Schüler die Galleria dell’Accademia mit Michelangelos weltberühmter Skulptur des David. Besonders interessant waren dabei die sogenannten ‚unvollendeten Sklaven‘, an denen Bearbeitungsschritte der Steinbildhauerei noch deutlich nachvollziehbar sind. Ein weiterer Programmpunkt war der Palazzo Pitti mit seiner monumentalen Natursteinfassade. Anschließend führte die Reise weiter nach Pisa, wo Einblicke in die Arbeit einer Bauhütte sowie in Restaurierungsmaßnahmen und Denkmalpflege gegeben wurden.
Der Höhepunkt der Lehrfahrt war der Besuch der Marmorsteinbrüche von Carrara. Bei einer rund dreieinhalbstündigen Führung durch aktive Abbaugebiete wurde erläutert, wie der Marmor gewonnen, verarbeitet und transportiert wird. Die Lehrfahrt bot eine einzigartige Gelegenheit, bedeutende Bauwerke, Materialien und Arbeitsprozesse direkt am Ort ihrer Entstehung kennenzulernen und theoretisches Wissen mit praktischen Eindrücken zu verbinden.
Fachbericht – Lehrfahrt Florenz, Pisa und Carrara
Technisch-fachliche Dokumentation der Exkursion (22.–28. Februar 2026)
Die Lehrfahrt nach Florenz, Pisa und Carrara diente der vertieften Auseinandersetzung mit historischen Bauwerken, Natursteinarchitektur sowie der Gewinnung und Verarbeitung von Naturstein.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf dem Domkomplex von Florenz. Die Kuppel von Santa Maria del Fiore, errichtet von Filippo Brunelleschi im 15. Jahrhundert, gilt als Meisterleistung der Renaissance-Ingenieurskunst. Die doppelschalige Konstruktion der Kuppel stellt bis heute ein bedeutendes Beispiel historischer Bauinnovation dar.
Im Museum der Opera del Duomo konnten originale Bauteile, Werkzeuge sowie Modelle der Bauphase untersucht werden. Dies ermöglichte ein besseres Verständnis historischer Bauprozesse und Materialverwendung.
Die Medici Kapellen zeigen exemplarisch den Einsatz hochwertiger Natursteine im repräsentativen Innenraum. Besonders charakteristisch sind die dekorativen Steinintarsien der sogenannten Pietra‑Dura‑Technik. Der anschließende Besuch im Museo dell’Opificio delle Pietre Dure ermöglichte einen direkten Einblick in diese Technik. Dabei werden verschiedenfarbige Natursteine präzise zugeschnitten und zu ornamentalen oder bildhaften Intarsien zusammengesetzt. Für die Schülerinnen und Schüler wurde dadurch verständlich, wie die aufwendigen Wandverkleidungen und Dekorationen der Medici-Kapellen hergestellt wurden.
In der Galleria dell’Accademia konnten anhand der unvollendeten Skulpturen Michelangelos typische Bearbeitungsspuren und Arbeitsphasen der Steinbearbeitung analysiert werden. Der Palazzo Pitti stellt ein bedeutendes Beispiel für monumentale Palastarchitektur dar. Die rustizierte Natursteinfassade zeigt bewusst gestaltete Steinoberflächen und vermittelt Stabilität und Massivität. In Pisa wurde die Arbeit einer Bauhütte vorgestellt. Dabei standen Restaurierungstechniken, Materialersatz sowie Methoden der Bauwerksanalyse im Vordergrund. Den Abschluss bildete die Exkursion in die Marmorsteinbrüche von Carrara. Hier konnten moderne Abbautechniken, Transportmethoden sowie die geologischen Eigenschaften des Marmors direkt vor Ort betrachtet werden.
Die Kombination aus Architekturstudium, Denkmalpflege und industrieller Natursteingewinnung ermöglichte den Teilnehmern einen umfassenden Einblick in die historische und moderne Bedeutung von Naturstein im Bauwesen.