Ausbildung der Steinmetz-Meisterinnen und Meister + Preisverleihung

39. Bildungswoche der österreichischen Steinmetze in Traunkirchen

Von 20. bis 23. Jänner 2026 fand im ehemaligen Kloster Traunkirchen die 39. Bildungswoche der österreichischen Steinmetze mit rund 85 Teilnehmern statt. Thematischer Schwerpunkt war die strategische Weiterentwicklung der Natursteinbranche.

BIM-Stv. Ing. Norbert Kienesberger hob die Bedeutung von Weiterbildung und Erfahrungsaustausch hervor. Organisiert wurde die Veranstaltung von Anna Singer vom Steinzentrum Hallein, unterstützt von zahlreichen Industriepartnern.

Zentrale Inhalte waren eine neue Branchenkommunikation zur Steigerung des Bekanntheitsgrades von Naturstein, der praxisorientierte Umgang mit Normen sowie aktuelle Entwicklungen in Technik, Denkmalpflege und Ausbildung. Vorgestellt wurde zudem eine Neuausrichtung der Ausbildung in Hallein mit stärkerem Fokus auf Planung, Architektur und Naturstein.

Abgeschlossen wurde die Bildungswoche mit der Verleihung der Natursteinpreise 2026 für herausragende handwerkliche und gestalterische Leistungen.

Den Lehrlingspreis gewann ein Stelen-Ensemble aus Sandstein als Gruppenprojekt der ersten Klasse Steintechnik und Steingestaltung der Fachschule HTL Hallein. Der zweite Preis ging an eine Marmormaske von Alexander Schilcher (4. Klasse Steintechnik LBS Schrems), der dritte an eine Karnies-Konsole mit Akanthusblatt von Fabian Bierbamer.

In Anerkennung ihres herausragende Engagements im Bildungsbereich Naturstein und Steintechnik wurde der Goldene Putzmatz an Georg Obererlacher und der Silberne Putzmatz an Bernhard Gann verliehen.

Herzliche Gratulation

Fachschule Naturstein, Raum und Design an der HTL Hallein

Pressetext zur 39. Bildungswoche in Traunkirchen

 

Rund 85 Teilnehmer trafen sich vom 20. – 23. Jänner 2026 zur traditionellen Bildungswoche der österreichischen Steinmetze. Thematisch stand die strategische Weiterentwicklung der Branche im Mittelpunkt. Für den würdigen Rahmen der Vorträge und Preisverleihungen sorgte der Festsaal des ehemaligen Klosters Traunkirchen.

Aus gutem Grund hat sich die Bildungswoche für viele Steinmetze aus ganz Österreich zum Fixpunkt entwickelt, erklärte BIM-Stv. Ing. Norbert Kienesberger in seiner Eröffnungsrede. Kollegialer Erfahrungsaustausch und kontinuierliche Weiterbildung seien heute zentrale Voraussetzungen, um den steigenden Anforderungen im Betriebsalltag professionell zu begegnen. Sein besonderer Dank galt Anna Singer, Geschäftsführerin des Steinzentrums Hallein, die die Bildungswoche auch 2026 organisatorisch verantwortete.

Unterstützt wurde die Veranstaltung von langjährigen Partnern und Mitausstellern: Ardex GmbH (Loosdorf), Bostik GmbH (Wöllersdorf), CNC-Graveur.at – Mobil Letter Carver, Ca’D’Oro Spa (San Giorgio di Nogaro, Udine), Gemba Handelsges.m.b.H (Wien), Mapei GmbH (Nussdorf ob der Traisen), Sopro Bauchemie GmbH (Feldbach) und Weha GmbH (Wien). Erstmals war auch Cereser Marmi Spa (Rivoli) mit von der Partie.

 

Bekanntheitsgrad steigern

Naturstein ist ein Werkstoff mit hoher gestalterischer, technischer und kultureller Qualität, der Lösungen für viele Herausforderungen des Bauwesens bietet. Woran es noch hapert, ist der Bekanntheitsgrad. Das Berufsbild bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung unscharf, Marktpotenziale werden nicht ausgeschöpft. Mit einer breit angelegten Kampagne soll diese kommunikative Herausforderung gemeistert und Naturstein stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert werden. Wie die schrittweise Neuausrichtung der Außendarstellung aussehen wird, erläuterte Lukas Jungmann, Geschäftsführer der beauftragten Agentur Aberjung aus Osttirol. Zentrales Element ist das branchenweite Kommunikationsdach „Stein erleben“: Naturstein wird als dreidimensionales Volumen, als Unikat, als regional vielfältiger und langfristig beständiger Werkstoff verstanden. Kommuniziert wird der gesamte Weg des Steins vom Steinbruch bis in den gebauten Raum. Geplante Maßnahmen reichen von Print und digitalen Medien über Social Media, Musterboxen und Vorlagen für Betriebe bis hin zu einer zentralen Website als Informations- und Anwendungsplattform.

 

Normen nutzen

In einer Podiumsdiskussion zum Thema Normen und Regelwerke in der Praxis machten Roman Toth (Vorsitzender des AK Normen und LIM Burgenland), Karin Deisl (Steinmetzmeisterin und gerichtlich zertifizierte Sachverständige), Markus Leitner (Mapei Austria GmbH) sowie Ingomar Smrcka (Ardex GmbH) deutlich, dass Normen für Steinmetzbetriebe kein bürokratisches Hindernis, sondern ein zentrales Schutz- und Arbeitsinstrument sind. Sie definieren Mindeststandards für Material, Ausführung und Qualität, schaffen technische Sicherheit und eine objektive Grundlage zur Beurteilung von Mängeln. Besonders betont wurde ihre Bedeutung bei den Vorleistungen: Normen klären Schnittstellen zwischen den Gewerken, ermöglichen sachlich begründete Nachträge und schützen Betriebe davor, Planungs- und Ausführungsfehler anderer Gewerke übernehmen zu müssen. Als rechtliche Referenz für Sachverständige und Gerichte reduzieren sie Haftungsrisiken und schaffen wirtschaftliche Sicherheit. Zugleich wurden Normen als gemeinsame Fachsprache der Branche beschrieben – zwischen Handwerk, Planung, Industrie und Sachverständigenwesen. Am Abschluss der vom Fachjournalisten Mag. Richard Watzke geführten Diskussion stand die Erkenntnis: Normen sind für Steinmetze kein Hemmschuh, sondern ein Schutzsystem – technisch, rechtlich, wirtschaftlich und fachlich.

 

Technisch am Ball bleiben

Der Salzburger Steinmetzmeister Erich Reichl beschrieb in seinem Vortrag „Der Steinmetz in der Denkmalpflege“ den strukturellen Wandel des Steinmetzhandwerks: schrumpfende öffentliche Budgets, weniger klassische Denkmalpflegeprojekte, veränderte Nutzungen und wachsende wirtschaftliche Unsicherheiten verändern die Märkte. Seine Antwort ist klar: Steinmetzbetriebe dürfen sich nicht auf Ausführung reduzieren lassen. Die Zukunft liegt in Beratung, Planung, Mitgestaltung und früher Einbindung in Projekte. Technologie – von Scan bis CNC – versteht Erich Reichl als Werkzeug, nicht als Ersatz des Handwerks. Entscheidend bleibt die Verbindung von Technik, Materialverständnis, Erfahrung und Qualität. Ausbildung, Weiterbildung, Kooperationen und stabile Teams werden als Fundament der Zukunft benannt: „Die Zukunft des Steinmetzes liegt nicht im Ausführen – sondern im Verstehen, Mitdenken und Mitgestalten.“

 

Zweitschriften vor Ort

Steinmetzmeister Klaus Fantoni stellte mit dem CNC-Graveur eine mobile und stationäre Gravierlösung vor, die das traditionelle Handgravieren technisch unterstützt, ohne dessen Charakter zu verlieren. Bestehende Schriften werden per Foto erfasst, digital rekonstruiert und CNC-gesteuert direkt am Grabstein nachgraviert. Diamantfräser mit unterschiedlichen Schneidenwinkeln und eine automatische Oberflächenabtastung ermöglichen präzise, materialschonende Gravuren. Ziel ist nicht der Ersatz des Handwerks, sondern dessen Entlastung und langfristige Sicherung angesichts des zunehmenden Graveur-Mangels.

 

Bilder sprechen lassen

Welche Wirkung sich mit professionellen Fotos erzielen lässt, erörterte Richard Watzke im Vortrag „Starke Bilder sprechen für sich“. Der gelernte Steinmetz und Fotograf legte den Fokus bewusst nicht auf Kameratechnik, sondern auf Bildsprache und Wirkung. Anhand von prägnanten Beispielen erlebten die Teilnehmer, wie Perspektive, Licht, Motiv-Anordnung, Farbwirkung und Sehgewohnheiten der Zielgruppe die Wirkung eines Bildes bestimmen – und damit das Außenbild eines Betriebs. Schlechte Bilder entwerten hochwertige Steinmetzarbeiten, gute Bilder schaffen Vertrauen und Qualität. Sein Fazit: Fotografie ist Gestaltungsarbeit – und prägt maßgeblich die Wahrnehmung des Handwerks nach außen.

 

Neuausrichtung in Hallein

Der Direktor der HTL Hallein, Mag. Johann Gutschi, begründete die notwendige Reform des Schulmodells in Hallein strukturell: Angesichts des Einbruchs der Fachschülerzahlen kann die klassische Fachschule nicht mehr weitergeführt werden. Während Lehrlinge in der klassischen dualen Ausbildung vom ersten Tag an verdienen, stellt eine Fachschule für viele Familien eine große Belastung dar. Die Krise sei daher kein Lehrlingsproblem, sondern ein Systemproblem aus Schulstruktur, Kosten und Image. Die Antwort lautet gemäß Direktor Gutschi: Abkehr vom reinen „zweiten Lehrweg“ hin zu einer neuen HTL-Schiene „Architektur – Raum – Naturstein“, welcher Naturstein mit Planung, Konstruktion, CNC, Technologie und moderner Baukultur verbindet. Ergänzt wird dies durch eine am Nationalen Qualifikationsrahmen NQR orientierte Meistervorbereitung in Kooperation mit FH-Strukturen. Ziel ist es, Naturstein aus dem engen Berufsbild „Grabstein-Fensterbank-Küchenplatte“ herauszulösen und als ernstzunehmendes Leitmaterial in Architektur, Innenraum, Fassade und Außenraum zu verankern.

 

Preisverleihungen an Nachwuchs und Profis

Die Natursteinpreise 2026, vergeben vom Steinzentrum Hallein in Zusammenarbeit mit der Bundesinnung der Bauhilfsgewerbe und moderiert von Dr. Arnold Reinthaler, würdigten Projekte mit handwerklicher Qualität, Gestaltungskraft und zeitgemäßer Anwendung von Naturstein. Den Lehrlingspreis gewann ein Stelen-Ensemble aus Sandstein als Gruppenprojekt der ersten Klasse Steintechnik und Steingestaltung der Fachschule Hallein. Der zweite Preis ging an eine Marmormaske von Alexander Schilcher (4. Klasse Steintechnik LBS Schrems), der dritte an eine Karnies-Konsole mit Akanthusblatt von Fabian Bierbamer

(LBS Schrems). Anerkennungen erhielten Sarah Hauder (Strasser Steine GmbH) sowie das Projekt „Infinity Couchtisch“ (LBS Schrems).

Der Designpreis 2026 ging an eine freigeschwungene Steintreppe aus kroatischem Kalkstein von Steinmetzmeister Georg Leeb (Stone4you, Hollabrunn). Der 2. Preis ging an „Das fragmentierte Ich“ von Rudi Wienerroither (Frankenburg), der geteilte 3. Preis an Raimund Fuchs (Bergheim) für Altar und Ambo der Pfarrkirche Bad Hofgastein sowie an Jürgen Lampert (Göfis) für eine Innenraumgestaltung aus Travertin.

Der Grabmalpreis 2026 ging an ein Doppelgrab aus Postaer Sandstein und weißem Twimberger Marmor von Steinmetzmeister Johann Paar (Fladnitz im Raabtal). Der Sonderpreis ging an Bernhard Hasenöhrl (Urnenhain St. Vitalis). Anerkennungen erhielten Jürgen Lampert („Form, Gefühl, Erinnerung“) und Rudi Wienerroither.

Der Denkmalpflegepreis 2026 zeichnete Raimund Fuchs (Bergheim) für die Sanierung der Pfarrkirche Bad Hofgastein aus. Der Sonderpreis ging an Erich Reichl für die Rekonstruktion zweier historischer Zwerge aus dem Salzburger Mirabellgarten, die digitale Reproduktion mit bewusster handwerklicher Endbearbeitung verbindet.