Der Tote im Bunker – Bericht über meinen Vater
Diese Lesung bzw. Diskussion am Donnerstag, dem 1. Oktober vor 300 Schüler/innen, allen 4. Und 5. Jahrgängen der HTL Hallein, im Stadtkino Hallein war – wieder einmal – eine Erleichterung und Bereicherung des Schülerlebens. Weg von der Schule und einen Blick werfen in andere Welten, weit entfernt von der Schulklasse. Es ging um ein sehr interessantes und auch aktuelles Thema, obwohl die Ereignisse im Kern selbst schon 60 Jahre und länger her sind. Der Buchautor Martin Pollack brachte uns sein Leben in der Nachkriegszeit nahe. Dabei ging es nicht nur um eine Geschichte sondern um seine eigenen Erlebnisse in seiner Kindheit sowie in der Studienzeit und auch um Wissen, das er sich durch Recherchen für sein Buch „Der Tote im Bunker – Bericht über meinen Vater“ angeeignet hat: „.Im Frühsommer 2003 fuhr ich mit meiner Frau nach Südtirol, zum Brenner, um den Bunker zu suchen, in dem vor 56 Jahren mein Vater tot aufgefunden worden war. Er war erschossen worden. Ich wollte mehr über die Umstände seines Todes und die Beweggründe in Erfahrung bringen, die ihn nach Südtirol geführt hatten. Die Nachforschungen hatte ich jahrelang hinausgezögert, vielleicht aus einem unbewußten Gefühl der Angst, ich könnte bei der Spurensuche auf Dinge stoßen, die meine ohnehin schlimmen Erwartungen noch übertreffen würden. Eines glaubte ich von Anfang an zu wissen: Sein gewaltsamer Tod war der Abschluß eines Lebens, in dem Gewalt eine wichtige Rolle gespielt hatte....“ So beginnt das Buch, und abwechselnd las Martin Pollack daraus und kommentierte das Gelesene unter anderem mit den Erfahrungen, um die er seit der Veröffentlichung des Buches wieder reicher geworden war. Zwischendruch konnten wir Schüler Fragen jeder Art zu stellen. Wir bekamen auch viel Persönliches zu hören, über den Vater, der aus deutsch-nationalem Elternhaus stammend Karriere in der SS und bei der Gestapo machte, den Stiefvater Pollack, der mit der Mutter zweimal, sowohl vor als auch nach der Geburt des Autors 1944 verheiratet war, und vor allem über die liebevolle Großmutter mit ihrer nationalsozialistischen Haltung und den geliebten Großvater, der als Rechtsanwalt in Amstetten Arisierungen vorangetrieben hatte, und die restliche Familie. Martin Pollack hat mühevoll alles recherchiert und sich damit auseinandergesetzt, woher denn diese rechtsextreme Einstellung gekommen ist, was seine Verwandtschaft dazu bewogen hatte, diesen Weg einzuschlagen und wie es ihm erging, als er nicht den Wünschen seiner Großmutter nachkam und seinen eigenen Weg im Leben fand. Als die ernste, aber auch kurzweilige Veranstaltung nach zweieinhalb Stunden endete, waren wir um viele Eindrücke reicher und hatten mehr Bezug zu dieser Zeit, die wir ja oft nur aus Geschichtsbüchern kennen. Klaus Moder |

